Precontinent II (Sudan)


Precontinent II (Sudan)

 

Typ: Unterwasserdorf für wissenschaftliche Versuche
Baujahr: 1963
Position: Westseite von Sha’ab Rumi
Geografische Koordinaten: 37°24′  N, 19° 55.45′ O
Minimale Tiefe: 7 Meter
Maximale Tiefe: 31 Meter 

Ortung: Leicht
Sicht: Ausgezeichnet
Strömung: Schwach
Schwierigkeit des Tauchgangs: Leicht bis mittelschwer
Netze/Leinen: Keine
Historisch interessant: Sehr
Fotografisch interessant: Sehr
Biologisch interessant: Sehr

 

 

 

Shaab Rumi Precontinent paint

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Precontinent II

Zu Beginn der sechziger Jahre wurde nach neuen Wegen gesucht, die Unterwasserwelt nutzbar zu machen. Angeregt von Jules Vernes „20000 Meilen unter dem Meer“ träumte man bereits seit Jahren von einer kommerziellen Nutzung der Weltmeere.

Im Jahr 1962 errichtete das Forschungsteam von Jacques Cousteau vor Marseille in 12 Meter Tiefe ein Unterwasserhaus. Im Precontinent I lebten und arbeiteten erstmalig Menschen für 2 Wochen unter Wasser. Ein Jahr später schloss sich ein weiteres Experiment über einen Zeitraum von 4 Wochen an. Precontinent II wurde auf einer sandigen Ebene an der westlichen Seite bei Shaab Rumi errichtet.

Das Zentrum bildete der „Seestern“ in 12 Meter Tiefe mit einer Kapsel in der Mitte, von der aus mehrere Räume abgingen. In ihm wohnten bis zu acht Taucher. Der daneben gelegene „Seeigel“ wurde als Garage für ein U-Boot genutzt, das bis zu einer Tauchtiefe von 300 Meter eingesetzt werden konnte. Nördlich davon lag ein Geräteschuppen, in dem Scooter und Flaschen aufbewahrt waren. Über das gesamte Gelände verteilt wurden in den unterschiedlichsten Tiefen Haikäfige aufgestellt. An der Aussenkante befand sich eine weitere Kammer, in der zwei Taucher arbeiteten. Die mit Mischgas versorgte Kapsel konnte kurzzeitig bis auf 110 Meter abtauchen. Sie wurde am Ende zusammen mit dem Seestern demontiert. Die Ergebnisse des Experiments bilden die Grundlagen für das gegenwärtige Off-Shore-Tauchen.

Der Seeigel ist heute eine der Hauptattraktionen der ehemaligen Forschungsstation. Er steht auf eisernen Stelzen und lässt sich bequem von unten betauchen. Gut ist der Flanschring, an dem das Mini-U-Boot angedockt wurde, zu erkennen. Die Bullaugen sind längst sammelwütigen Tauchern zum Opfer gefallen. Der Tisch im Inneren wurde vermutlich deshalb noch nicht demontiert, weil er angeschweisst ist. Seitlich findet sich ein weiterer Ausstieg mit einer Schleuse. Die über und über mit Hart- und Weichkorallen bewachsene Kugel weist eine Vielzahl von Korrosionslöchern auf. Durch sie entweicht gluckernd die Ausatemluft der Besucher. Auf der kleinen Sandfläche zwischen dem Seestern und dem Abfall des Plateaus erinnert eine Gedenktafel an einen 1973 tödlich verunglückten Mitarbeiter Cousteaus.

Unmittelbar hinter der Station fällt das Riff nahezu senkrecht auf 40 Meter ab. Auf dem sich anschliessenden Sandplateau sind an einigen Stellen die Überreste der Haikäfige zu erkennen. In den frühen Morgenstunden ruhen auf der Sandfläche zumeist einige Weissspitzen-Riffhaie.

Nördlich vom Seestern liegt in 6 Meter Tiefe der Geräteschuppen. Das Dach ist über die gesamte Länge offen. Das Innere der leicht zu betauchenden Garage ist leer und bietet wenig Aufregendes. Folgt man dem Plateau von hier aus weiter nach Norden, so finden sich auf Höhe der südlichen Einfahrt in das Shaab Rumi weitere Überreste von Haikäfigen. Wunderschön bewachsen bieten sie eine wundervolle Kulisse für Fotografen.

Auch wenn der Zahn der Zeit bereits deutliche Spurern an der Prcontinent II hinterlassen hat, zählt sie sicherlich zu einem MUSS für jeden Taucher. Empfehlenswert ist es, sich vor der Reise den Cousteau-Film „Le Monde sans Soleil“ (Welt ohne Sonne) anzusehen. Er zeigt anschaulich das Leben und einen Teil der Experimente aus dem Unterwasserdorf.